Bristol – Regelmäßige Kontrolltermine gelten als selbstverständlicher Teil moderner Prävention. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Gesundheitssystemen immer wieder, dass Vorsorgeangebote nicht von allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen genutzt werden. Eine Arbeitsgruppe der Bristol Dental School ist nun der Frage nachgegangen, wie früh solche Unterschiede eigentlich beginnen.
Im Mittelpunkt der in BMC Oral Health veröffentlichten Studie stand der Zusammenhang zwischen früher sozioökonomischer Benachteiligung und späterem Inanspruchnahmeverhalten zahnärztlicher Vorsorge.
Grundlage bildeten die Daten der britischen Langzeitkohorte „Children of the 90s“, die Teilnehmende seit ihrer Geburt begleitet. Für die Analyse werteten die Forschenden Fragebögen von 2.468 Jugendlichen im Alter von 17 Jahren sowie von 1.639 jungen Erwachsenen mit 23 Jahren aus. Zusätzlich flossen sozioökonomische Daten aus der frühen Kindheit ein, die zwischen der Schwangerschaft und dem Alter von zwei Jahren und neun Monaten erhoben worden waren. Mithilfe sogenannter Structural Equation Models untersuchte das Team mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig.
Die Auswertung zeigte, dass Personen mit früher sozialer Benachteiligung im Jugend- und frühen Erwachsenenalter seltener präventive Zahnarztbesuche wahrnahmen. Die Wahrscheinlichkeit regelmäßiger Kontrolltermine lag je nach Altersgruppe um 12 bis 16 Prozent niedriger. Auffällig war dabei, dass sich dieser Zusammenhang bereits im Alter von 17 Jahren zeigte, obwohl zahnärztliche Leistungen im britischen NHS-System in dieser Altersgruppe kostenfrei sind. Aus Sicht der Autoren spricht das dafür, dass finanzielle Hürden allein die Unterschiede nicht erklären. Eine weitere Rolle spielte die persönliche Einstellung zur Mundgesundheit. Teilnehmende, die der eigenen Mundgesundheit weniger Bedeutung beimaßen, gingen auch seltener regelmäßig zur Vorsorge. Hinzu kam der Faktor Zahnarztangst. Rund 8,2 Prozent der Teilnehmenden wurden als “dentally anxious“ eingestuft, was ebenfalls mit unregelmäßigen Zahnarztbesuchen verbunden war. Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass die untersuchte Kohorte insgesamt vergleichsweise privilegiert war. Mit 17 Jahren nahmen noch 91 Prozent der Teilnehmenden regelmäßige Kontrolltermine wahr, mit 23 Jahren lag der Anteil bei 71,3 Prozent. Dass trotz dieser insgesamt hohen Werte soziale Unterschiede sichtbar wurden, könnte darauf hindeuten, dass die Ungleichheiten in der Gesamtbevölkerung noch deutlicher ausfallen.
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