USA / Philadelphia – Mit der wachsenden Zahl implantologischer Versorgungen rücken auch die Faktoren in den Blick, die den langfristigen Behandlungserfolg beeinflussen können. Neben lokalen Ursachen werden dabei zunehmend systemische Einflüsse diskutiert. Dazu gehört auch die Frage, ob Übergewicht und Adipositas die Entstehung periimplantärer Entzündungen begünstigen. Dieser Frage ging eine Arbeitsgruppe des Philadelphia Veterans Affairs Medical Center nach. Die Ergebnisse wurden im Journal of Oral and Maxillofacial Surgery veröffentlicht.1
Für die retrospektive Kohortenstudie werteten die Forschenden die Daten von 325 Patienten aus, die zwischen 2006 und 2019 mit Implantaten versorgt worden waren. Berücksichtigt wurden ausschließlich Fälle mit vollständiger medizinischer und zahnmedizinischer Dokumentation sowie einem innerhalb von drei Monaten vor der Implantation erfassten Body-Mass-Index (BMI). Patienten mit möglichen systemischen Störfaktoren wie einer Bisphosphonattherapie, Kopf-Hals-Bestrahlung oder unvollständigen Datensätzen wurden ausgeschlossen. Als primärer Endpunkt galt das Auftreten einer Periimplantitis. Diese wurde als Kombination aus radiologisch nachweisbarem krestalem Knochenverlust und klinischer Blutung auf Sondieren mit oder ohne Suppuration definiert. Für die Auswertung wurden die Patienten anhand ihres BMI in zwei Gruppen eingeteilt: unter 30 kg/m² sowie 30 kg/m² und höher.
Höhere Erkrankungsrate bei adipösen Patienten
Von den 325 ausgewerteten Implantaten entwickelten 80 im Beobachtungszeitraum eine Periimplantitis. Die Nachbeobachtungszeit betrug 67 Monate. Nach fünf Jahren lag die Periimplantitisrate bei Patienten mit einem BMI unter 30 kg/m² bei 22,7 Prozent. In der Gruppe mit Adipositas betrug sie 34,0 Prozent. Auch in der multivariaten Analyse blieb ein BMI von mindestens 30 kg/m² mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Das Risiko für eine Periimplantitis lag um 56 Prozent höher als bei Patienten ohne Adipositas.
Andere untersuchte Faktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus oder Diabetes zeigten in den Analysen keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem Auftreten einer Periimplantitis. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes in dem untersuchten Versorgungssystem in der Regel nicht für eine Implantattherapie zugelassen werden und dieser Einflussfaktor dadurch bereits im Vorfeld begrenzt wurde. Als mögliche Erklärung verweisen die Autoren auf die chronische niedriggradige Entzündungsaktivität, die mit Adipositas verbunden ist. Fettgewebe gilt heute als stoffwechselaktives Organ und produziert unter anderem entzündungsfördernde Botenstoffe wie Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor-α. Diese könnten die Immunantwort und Gewebeheilung im periimplantären Bereich beeinflussen. Gleichzeitig betonen die Autoren jedoch die Grenzen ihrer Untersuchung. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns lasse sich kein ursächlicher Zusammenhang nachweisen. Zudem bestand die Studienpopulation überwiegend aus männlichen Veteranen, wodurch die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Patientengruppen eingeschränkt sein könnte.
1 Selznick H, Lee K, Hershberger M; Is Body Mass Index an Independent Risk Factor for Peri-Implantitis?
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