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Rechtslücken bremsen sichere KI-Nutzung im Gesundheitswesen

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Dental Tribune Österreich

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Di. 7 April 2026

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Valetta – Künstliche Intelligenz (KI) hält immer stärker Einzug in die Gesundheitsversorgung Europas. Sie hilft Ärzten bei Diagnosen, entlastet das Personal von Verwaltungsaufgaben und unterstützt die Patientenkommunikation. Ein neuer Bericht von WHO/Europa mit dem Titel „Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: ist die Europäische Region der WHO gerüstet?“ warnt jedoch: Die Technologie breitet sich schneller aus, als rechtliche Schutzmechanismen etabliert sind, die Patienten und Gesundheitspersonal schützen.

Auf Basis von Rückmeldungen aus 50 Ländern liefert der Bericht erstmals einen umfassenden Überblick über Einsatz und Regulierung von KI im Gesundheitswesen. Nur vier Länder verfügen über eine eigene nationale KI-Strategie, sieben weitere arbeiten daran. Länder wie Estland, Finnland und Spanien setzen bereits auf vernetzte Datenplattformen, Schulungen und Pilotprojekte, um KI gezielt zu testen.

„KI ist für Millionen von Fachkräften und Patienten bereits Realität“, erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. „Ohne klare Strategien, Datenschutz, rechtliche Leitplanken und Investitionen in KI-Kompetenz drohen jedoch neue Ungleichheiten.“

Die größte Hürde für die Einführung bleibt die Rechtsunsicherheit: 86 Prozent der Länder sehen sie als zentrales Problem, 78 Prozent nennen finanzielle Engpässe. Lediglich in 8 Prozent existieren Vorschriften, die die Haftung bei KI- Fehlern regeln. WHO/Europa fordert daher verbindliche Standards, Schadensersatzmechanismen und gründliche Tests von KI-Systemen auf Sicherheit, Fairness und Wirksamkeit, bevor sie bei Patienten eingesetzt werden.

Trotz dieser Hürden ist KI schon weitverbreitet: 64 Prozent der Länder nutzen KI-gestützte Diagnostik, besonders in der Bildgebung und Früherkennung, 50 Prozent setzen Chatbots zur Patientenkommunikation ein, und 52 Prozent haben Prioritäten für KI-Einsätze definiert – allerdings hat nur ein Viertel der Länder dafür Mittel bereitgestellt. Die Ziele sind klar: bessere Patientenversorgung (98 Prozent), Entlastung des Personals (92 Prozent) und mehr Effizienz (90 Prozent).

Für Patienten stehen drei zentrale Fragen im Vordergrund: Sicherheit, fairer Zugang und Datenschutz. KI trifft Entscheidungen auf Basis von Daten – fehlerhafte oder unvollständige Daten können zu Fehldiagnosen, falschen Behandlungen oder Ungleichheiten führen.

Der Bericht ruft die Länder auf, KI-Strategien stärker an den Zielen der öffentlichen Gesundheit auszurichten, in qualifiziertes Personal zu investieren, rechtliche und ethische Sicherheitsvorkehrungen zu stärken und die Öffentlichkeit transparent einzubeziehen.

„KI kann die Gesundheitsversorgung revolutionieren – aber nur, wenn die Menschen im Mittelpunkt stehen“, betont Dr. Kluge. „Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, entscheiden darüber, ob KI Patienten und Personal unterstützt oder sie zurücklässt.“

Quelle: WHO

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