Dental Tribune Austria

Plädoyer für Amalgamfüllungen

von Universität Greifswald
November 12, 2009

GREIFSWALD – Prof. Dr. Georg Meyer, Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald, ist auf dem Weltkongress der World Dental Federation (FDI) in Singapur als neues Mitglied in das Wissenschaftskomitee gewählt worden. Auf dem Kongress sprach er sich für die Verwendung von Amalgamfüllung aus.

Das Wissenschaftskomitee besteht aus sieben Mitgliedern und vertritt die internationalen wissenschaftlichen Interessen der Zahnmedizin. Gemeinsam mit Vertretern aus Brasilien, Frankreich, Hongkong, Israel, der Türkei und den USA ist der Greifswalder nun für zunächst drei Jahre zuständig für wissenschaftliche Stellungnahmen seines Fachgebietes, unter anderem auch für Anfragen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein wichtiges Thema bei der diesjährigen Sitzung war das von Umweltministern geplante weltweite Verbot von Quecksilber. Ohne entsprechende Ausnahmeregelung würde hiermit ein Verbot des bewährten zahnärztlichen Füllungswerkstoffes Amalgam einhergehen.

Gold ist „umweltschädlicher“ als Amalgam
Der Greifswalder Zahnmediziner konnte sich bei seiner Wahl gegen starke Bewerber aus Brasilien, Polen und Südkorea durchsetzen. Er hat klar und überzeugend für die weitere Nutzung von Amalgam als Zahnfüllung plädiert, zumal die als Alternative erhofften Kunststofffüllungen sowohl mechanische als auch biologische Risiken in sich bergen, wie die aktuelle Forschung belegt. Amalgam, eine äußerst stabile Legierung aus Silber, Zinn, Kupfer und Quecksilber, ist das weltweit am häufigsten verwendete Zahnfüllungsmaterial für Seitenzähne. „Eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien und Langzeituntersuchungen hat bislang keinerlei Hinweise ergeben, dass diese Füllungen, trotz ihres Quecksilbergehaltes, gesundheitsschädlich sind“, betonte Meyer.
Dennoch würden ganz besonders in Deutschland geradezu „militante Amalgamgegner“ eine Stimmung und diffuse Ängste gegen Amalgam-Plomben schüren. „Ein Verbot von Amalgam, das haltbarer und sicherer ist als alle anderen plastischen Füllungsmaterialien, würde in vielen Ländern dazu führen, dass sich die Menschen keine Zahnfüllungen mehr leisten könnten.“ Auch das Argument, die Entsorgung von Amalgamfüllungen würde die Umwelt stark mit Quecksilber belasten, widerlegte der Greifswalder. „Die bei der FDI vorliegenden Daten gehen davon aus, dass die anteilige Umweltbelastung durch Dentalquecksilber auf der Erde nur circa 0,1 bis 0,7 Prozent der Gesamtbelastung mit Quecksilber ausmacht. Dagegen liegt beispielsweise die Umweltbelastung durch Quecksilber, das in vielen Entwicklungsländern bei der Goldgewinnung eingesetzt wird, voraussichtlich in einem zweistelligen Prozentbereich. Folgerichtig müsste eher Gold als Amalgam verboten werden.“

In seiner neuen Funktion als Mitglied des Wissenschaftskomitees der FDI will Professor Meyer vor allem die wissenschaftsbasierte öffentliche Aufklärungsarbeit verstärken, sich bei einem Quecksilberverbot für eine Ausnahmeregelung der Amalgam-Anwendung aus medizinischen Gründen einsetzen und dabei gleichzeitig für einen umweltgerechten Umgang mit dem Metall in allen Ländern werben, beispielsweise durch den Einsatz von Amalgamabscheidern in zahnärztlichen Praxen. Eine diesbezügliche Resolution wurde von den rund 200 Delegierten aus aller Welt während der Tagung in Singapur einstimmig verabschiedet.

Prof. Dr. Georg Meyer
Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, geboren am 30. November 1948 in Bad Bevensen (Niedersachsen), studierte Landwirtschaft und Zahnmedizin an der Universität Göttingen. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA wurde er 1988 Professor der Zahnmedizin in Göttingen und wechselte 1993 nach Greifswald. Von 2004 bis 2007 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Die World Dental Federation (FDI) ist der internationale Fachverband der Zahnärzte. Die „Stimme der Zahnärzte“ wurde 1900 als Fédération Dentaire Internationale in Paris gegründet. Sie ist einer der ältesten internationalen Berufsverbände der Welt. Die FDI hat zurzeit mehr als 150 nationale Mitgliedsverbände in mehr als 130 Ländern, die zusammen fast eine Million Zahnärzte vertreten.

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