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Gesunde Implantate im Mittelpunkt – drei Tage zwischen Prävention und KI bei der paroknowledge 2026

ZWP online Redaktion

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Di. 23 Juni 2026

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Kitzbühel – Mit einem breiten wissenschaftlichen Programm rund um Implantatgesundheit und periimplantäre  Erkrankungen ist am Samstag die paroknowledge 2026 der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Implantate und periimplantäre Erkrankungen – State of the Art Therapie 2026“ diskutierten nationale und internationale Expertinnen und Experten drei Tage lang aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Praxis.

Bereits zum Auftakt am Donnerstag standen Prävention und Langzeitstabilität im Fokus. Im Rahmen des CP-GABA-Forums machte Dr. Corinna Bruckmann, M.Sc., deutlich, welche Dimension Parodontitis inzwischen erreicht hat. Mit rund 1,1 Milliarden Betroffenen weltweit zählt sie zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. Neben Zahnverlust und den bekannten Auswirkungen auf die Mundgesundheit verwies sie auf die engen Zusammenhänge mit systemischen Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie auf die erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten. Entsprechend plädierte sie für eine stärkere Fokussierung auf Primärprävention und bevölkerungsbasierte Präventionsstrategien.

Daran knüpfte PD Dr. Alexandra Stähli mit ihrem Vortrag zur Sekundärprävention in der parodontalen Langzeittherapie an. Sie zeigte auf, dass erfolgreiche Behandlungen nicht mit dem Ende der aktiven Therapie abgeschlossen sind. Vielmehr seien strukturierte Recall-Systeme, individualisierte Mundhygienekonzepte und ein risikoorientiertes Management entscheidend, um Rezidive zu vermeiden und die langfristige Stabilität von Zähnen und Implantaten zu sichern.

Der Freitag bildete den wissenschaftlichen Schwerpunkt des Kongresses. Nach der Eröffnung durch die wissenschaftliche Kongressleitung PD Dr. Kristina Bertl, PhD, MSc und Univ.-Prof. Dr. Hady Haririan, PhD, MSc, begann das Programm mit einem inspirierenden Impulsvortrag von Elisabeth „Lizz“ Görgl. Die Ex-Profiskirennläuferin und Doppelweltmeisterin begeisterte das Publikum mit ihren persönlichen Einblicken in mentale Stärke, Zielorientierung und den konstruktiven Umgang mit Rückschlägen. Unter dem Leitgedanken, dass Erfolg nicht erst im Ziel, sondern bereits auf dem Weg dorthin entsteht, sprach sie über Disziplin, Vertrauen und mentale Widerstandskraft – Eigenschaften, die nicht nur im Spitzensport, sondern auch im beruflichen Alltag von großer Bedeutung sind. Ein zentrales Thema des Kongresses war die enge Verbindung zwischen Parodontitis und Implantologie.Prof. Dr. Ines Kapferer-Seebacher, MSc., Direktorin der Universitätsklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Medizinischen Universität Innsbruck, widmete sich in ihrem Vortrag „Implantate zwischen Risiko und Rettung – Parodontitis im Fokus“ den besonderen Herausforderungen implantologischer Versorgung bei Parodontitispatienten. Sie erläuterte, dass chronische Entzündungen, fortgeschrittener Knochenabbau und ein erhöhtes Periimplantitisrisiko langfristig stabile Ergebnisse erschweren können, Implantate jedoch häufig für eine funktionelle und ästhetische Lückenversorgung benötigt werden. Anhand aktueller Evidenz zu Erfolgsraten, Risikofaktoren und Strategien der Risikominimierung sowie klinischer Fallbeispiele zeigte sie praxisnahe Entscheidungswege auf, um Implantate auch im parodontal vorgeschädigten Umfeld sicher und nachhaltig zu integrieren.

Mit der Periimplantitis beschäftigten sich mehrere Referierende aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Prof. Dr. Jeremias Hey, MME, MSc, bezeichnete die Erkrankung als „Achillesferse der implantatgestützten Prothetik“ und erläuterte, wie Risiken bereits in der Planungsphase minimiert werden können. Neben der Implantatpositionierung und der Gestaltung des Zahnersatzes komme insbesondere der langfristigen Nachsorge eine entscheidende Bedeutung zu.

PD Dr. med. dent. Alexandra Stähli widmete sich der Frage, welche Möglichkeiten die nichtchirurgische Periimplantitistherapie heute bietet. Sie erläuterte aktuelle Konzepte der initialen Periimplantitistherapie mit dem Ziel, kontaminierte Implantatoberflächen mechanisch und/oder chemisch zu dekontaminieren und ein biologisches Milieu für die Abheilung der Entzündung zu schaffen. Dabei ging sie auf die Herausforderungen der klinischen Praxis ein und diskutierte die Bedeutung individueller, verhaltens- und risikoorientierter Therapieansätze sowie den möglichen Nutzen adjuvanter Verfahren.

Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Bedeutung der periimplantären Weichgewebe. PD Dr. Kristina Bertl stellte die Frage, welche Rolle fixierte und keratinisierte Mukosa für die langfristige Implantatgesundheit spielt. Anhand wissenschaftlicher Daten und klinischer Fälle diskutierte sie aktuelle Empfehlungen zum Weichgewebsmanagement sowie den Einsatz moderner Weichgewebsersatzmaterialien. Aber auch schwierige klinische Situationen wurden nicht ausgespart. Prof. Dr. Nicola U. Zitzmann, PhD, widmete sich u.a. dem Umgang mit Implantatverlusten und stellte praxisnahe prothetische Lösungsansätze vor. Anhand zahlreicher Fallbeispiele zeigte sie Möglichkeiten auf, bestehende Rekonstruktionen anzupassen oder alternative Versorgungskonzepte zu entwickeln, um Funktion und Ästhetik möglichst langfristig zu erhalten.

Parallel zum Programm für Zahnärztinnen und Zahnärzte richtete sich ein eigener Fortbildungsstrang an ZAss, PAss und Dentalhygienikerinnen. Univ.-Prof. Dr. Hady Haririan thematisierte hier die professionelle und häusliche Mundhygiene bei Implantaten und gab einen Überblick über aktuelle Empfehlungen zur Prävention periimplantärer Erkrankungen. Dr. Linda Steurer beleuchtete hingegen die Auswirkungen des Rauchens auf die periimplantäre Gesundheit und zeigte praxisnahe Strategien für Beratung und Prävention auf. Einen Blick in die digitale Zukunft der Patientenbetreuung warf Dr. Dino Tur von der Universitätszahnklinik Wien. In seinem Vortrag „KI in der Zahnmedizin: Neue Wege für bessere Adhärenz & Mundhygiene“ zeigte er auf, wie Künstliche Intelligenz dazu beitragen kann, die Patienten-Adhärenz nachhaltig zu verbessern. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestützte Apps und Chatbots zur Motivation und Aufklärung, smarte Zahnbürsten mit Echtzeitfeedback sowie personalisierte Algorithmen für individuelle Mundhygienepläne und Recall-Systeme. Darüber hinaus erläuterte Tur, wie KI-Systeme Non-Adhärenz frühzeitig erkennen und in telemedizinische Betreuungskonzepte integriert werden können. Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderungen hinsichtlich Datenschutz, Akzeptanz und wissenschaftlicher Evidenz, die bei der Implementierung solcher Technologien berücksichtigt werden müssen.

Der Samstag ergänzte das wissenschaftliche Programm um Zukunftsthemen. Im ÖGP Youngsters Forum präsentierte der zahnmedizinische Nachwuchs praxisnahe Fallbeispiele rund um Implantate im parodontal vorgeschädigten Gebiss, Weichgewebsmanagement und Periimplantitis. Der Fokus lag dabei auf konkreten Lösungsansätzen für die tägliche Praxis und der langfristigen Verbesserung der Implantatprognose.

Darüber hinaus rückte die Künstliche Intelligenz in den Fokus. Prof. Dr. Dr. Robert Gaudin von der Charité Berlin zeigte, wie digitale Anwendungen und KI bereits heute klinische Workflows optimieren, Diagnosen unterstützen und die Planung oralchirurgischer Eingriffe verbessern können. Den Bogen zurück zur Implantologie und zum kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz spannte Univ.-Prof. Dr. Hady Haririan mit seinem Vortrag zur fortgeschrittenen Periimplantitis. Anhand konkreter Patientenfälle diskutierte er, ob KI künftig helfen könnte, Therapieentscheidungen bei komplexen und oftmals grenzwertigen Fällen besser zu unterstützen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die von KI-Systemen vorgeschlagenen Befundungen und Therapieoptionen kritisch hinterfragt werden müssen, da die Systeme in einzelnen Fällen durchaus zu Fehleinschätzungen und nicht optimalen Lösungsvorschlägen gelangten.

Fazit

Fachlicher Austausch, hochkarätige Referierende, praxisrelevante Erkenntnisse und die beeindruckende Kulisse der Kitzbüheler Alpen machten die paroknowledge 2026 einmal mehr zu einem besonderen Treffpunkt der österreichischen Parodontologie-Community. Während am Freitagabend über den Bergen dunkle Wolken aufzogen und Blitz und Donner die Alm Lounge Party begleiteten, ließen sich die Teilnehmenden die gute Stimmung nicht nehmen. Mit zahlreichen Impulsen für die tägliche Praxis, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und vielen Gesprächen über die Zukunft des Fachgebiets endeten drei intensive Kongresstage in Kitzbühel. Der Blick richtet sich nun bereits auf das kommende Jahr. 2027 feiert die paroknowledge ihre 30. Ausgabe und damit ein ganz besonderes Jubiläum.
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