Dental Tribune Austria

Jugendzeit ist Karieszeit

By Dental Tribune-Redaktion
March 03, 2010

WIEN – Die Pubertät ist immer noch eine Hochrisikozeit für Karies, auch wenn sich die orale Gesundheit  unter Jugendlichen kontinuierlich verbessert hat. Das geht aus dem Zahnstatusbericht hervor, der für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erstellt wurde.*

Mitte Februar stellten Vertreter/-innen der Gesellschaft für Schulärztinnen und Schulärzte (GSÖ), der  Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) und des BMG den Bericht auf einer Pressekonferenz vor. Hon.- Prof.  Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion Verbrauchergesundheit und Gesundheitsprävention des  BMG, lobte die bisherigen Erfolge: „Durch österreichweite zunehmend flächendeckende Maßnahmen der  Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Volksschulen konnte in den letzten Jahren viel erreicht werden.“  Eine ‚wichtige Zielgruppe‘ seien die Jugendlichen, die auch eine orale Gruppenprophylaxe erhalten sollten, so Hon.-Prof. Dr. Schlögel. Bei dieser Aufgabe sieht der oberste Sanitätsrat Probleme, da die Zielgruppe ‚aufgrund ihres Alters schwierig zu betreuen‘ sei. Neue Konzepte der Inhaltsvermittlung und Motivation seien nötig.

Die Ergebnisse
Die Daten der Evaluation stammen aus dem Untersuchungsjahr 2008/2009. Das Hauptziel der  Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt für 18-Jährige vor, noch keinen Zahn durch Karies verloren zu  haben. Wiesen im Untersuchungsjahr 1998 nur 63 Prozent ein vollständiges Gebiss auf, sind es 2008 bereits 97 Prozent. Der Anteil an Jugendlichen mit Karieserfahrung fiel um neun Prozentpunkte (von 84 auf  75 Prozent), und der Kariesbefall reduzierte sich um 38 Prozent (von 5,5 D3MF-T auf 3,6 D3MF-T). Der Anteil  er kariesfreien 18-Jährigen stieg damit auf 25 Prozent.

Dennoch kommt es in der Adoleszenz erwiesenermaßen zum Anstieg des Kariesbefalls. Der Vergleich  des aktuellen kariösen Flächenbefalls ergibt zwischen dem 12. und dem 18. Lebensjahr eine  Zuwachsrate von 0,6 Flächen pro Jahr. Diese Zahlen zeigen, dass dem weiterführenden Zahngesundheits- Unterricht in Hauptschulen, Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen eine  wesentliche Bedeutung zukommt. „Im Jugendalter etablieren sich häufig neue zahnschädigende Gewohnheiten, derer sich die meisten gar nicht bewusst sind. Die Schule ist hier das geeignete Umfeld  ur Aufklärung“, so Dr. Axel Mory von der ÖGP und Wissenschaftlicher Beirat der GSÖ. Fast Food, Softdrinks und Nikotin bilden  während der Pubertät oft den Nährboden für kariöse Infektionen.

Die Kariesverteilungskurve zeigt eine dramatische Polarisierung: „Beinahe die Hälfte der Kariesschäden findet sich bei einem knappen Viertel der erhobenen Jugendlichen“, so Dr. Mory. „Dieser  isikogruppe sollten wir besondere Beachtung schenken.“ Die Jugendlichen in Hauptschulen  sind im Vergleich zu jenen, die allgemeinbildende höhere Schulen (AHS) besuchen, häufiger von Karies betroffen und ihre kariösen Zähne sind häufiger behandlungsbedürftig. Im Rahmen der  Zahnstatuserhebung 2007 bei Zwölfjährigen wird auch der Zusammenhang zwischen Kariesmorbidität  und sozialer Schichtzugehörigkeit anhand des Schultyps dargestellt. Die aktuelle Evaluation wurde von  der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Auftrag des BMG erstellt. Die GÖG ist ein  Forschungsinstitut, dessen Errichtung per Gesetz im Jahr 1996 beschlossen wurde.

„Bessere Flirtchancen“
Die GSÖ startete im Februar ihr neues Semesterprojekt Zahngesundheit in allen Schulen ab der fünften  Klassenstufe. Unter dem Titel „Teens Teeth“ wurden Materialien erstellt, die von Schulärzten/-innen und Lehrer/-innen im Unterricht verwendet und an Jugendliche weitergegeben werden können. „Uns ist  wichtig, auf die Situation der Schülerinnen und Schüler einzugehen und Ratschläge in einer Form zu  präsentieren, die Jugendliche auch annehmen können“, sagte Dr. Judith Glazer, GSÖ-Präsidentin, die  auf der Pressekonferenz das Projekt vorstellte. Und weiter: „Unrealistische Forderungen zu stellen bringt  nichts.“ Zudem müsse man auch die richtigen Anreize bieten, um bei Jugendlichen das Interesse  zu wecken. Solche Motivationsgründe sind laut einer Mitteilung des Verbandes „Gutes Aussehen, bessere Flirtchancen und mehr Selbstbewusstsein“. Die GSÖ stellt ein Jugendmagazin, ein  Poster und Lehrunterlagen bereit.

 

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